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Stethoskop auf Probe

Am 26.04.2012, 15:00 Uhr

Derzeit lässt sich so manches lesen über die arbeitsmarktliche Angleichung der Geschlechter. Der Girls` Day nähert sich diesem Ziel auf ganz praktische Art- und das völlig ohne Debatten um Frauenquoten. Auch die Schmerzklinik des Rote Kreuz Krankenhauses Kassel (RKH) bietet zwei Mädchen die Chance einmal Klinikluft zu schnuppern.


Anna Katharina (links) und Luisa konnten beim Girls‘ Day in der Klinik für Schmerztherapie des RKH den Alltag einer Schmerzklinik kennenlernen. Ob die beiden Schülerinnen nach der Schulbank wieder in weiße Kittel schlüpfen möchten, wissen sie noch nicht.

Zugegeben: Der Anblick einer weißbekittelten Frau mit Stethoskop ist auf deutschen Krankenhausfluren keine Seltenheit mehr. Immerhin studieren heute mehr Frauen als Männer Humanmedizin. Trotzdem entscheiden sich viele Mädchen zu einer Karriere fernab von Reagenzgläsern, Periodensystemen und Taschenrechnern. Das Ziel des Girls` Day ist es, Mädchen die Scheu vor technischen und naturwissenschaftlichen Berufen zu nehmen und diese, im Gegenteil, bewusst in die spätere Berufsplanung mit einzubeziehen.

Im spannenden medizinischen Feld der Schmerztherapie durften Anna Katharina Bosse und Luisa Meyer in diesem Rahmen den Klinikalltag hautnah selbst erleben und einen Tag in den Ärztekittel schlüpfen. Als Ärzte in spe begleiteten sie ihre „Kollegen“ bei der morgendlichen Visite, waren dabei als diese Diagnosen stellten und bekamen einen Einblick in die therapeutische Schmerzbehandlung. „Wir durften auch bei einer Physiotherapiebehandlung dabei sein und haben bei einer Informationsveranstaltung für Neupatienten einiges über chronische Schmerzten erfahren“, erzählt die 11jährige Anna Katharina. Später konnten die beiden Mädchen, die in die 5. Klasse Göttinger Gymnasien gehen, noch die Entspannungstechnik Progressive Musekelentspannung (PMR) kennenlernen. 

Der Chefarzt der Schmerzklinik, Dr. Andreas Böger, hält den Girls` Day für eine gute Idee: „Auch wenn der Beruf des Arztes kein typischer Männerberuf mehr ist, so ist es schön, junge Menschen zum Einschlagen dieses tollen Berufsweges zu motivieren.“ Journalistin, Schauspielerin oder Fotografin? Bei den nächsten Girls‘ Days werden die beiden Schülerinnen bestimmt in andere Berufe hinein schnuppern. Luisa könnte sich gut vorstellen, später tierische Patienten zu behandeln. Ob Dr. Böger die beiden Mädchen eines Tages doch als Ärzte begrüßen darf, ist noch ungewiss. Bis zum Schulabschluss ist schließlich noch etwas Zeit. „Die Chancen stehen aber gar nicht schlecht“, sagt Anna Katharina.