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Volkskrankheit Sodbrennen – Welche Rolle spielt unsere Ernährung?

Am 10.11.2014, 11:27 Uhr

Kassel, 6. November 2014 - Es brennt, schmerzt und kann gefährlich werden: Sodbrennen, auch Reflux genannt. Jeder zweite Erwachsene in Deutschland kennt die Beschwerden und rund 6,4 Millionen Deutsche nehmen jährlich rezeptfreie Mittel gegen Sodbrennen zu sich. Solange Sodbrennen nur gelegentlich auftritt, besteht wenig Gefahr. Tritt es jedoch mehrmals wöchentlich auf, verätzt der saure Magensaft auf Dauer die empfindliche Schleimhaut in der Speiseröhre, was zu starken Entzündungen und sogar zu Speiseröhrenkrebs führen kann. „Grundlegende Ursache des Rückflusses ist die Erschlaffung des unteren Speiseröhren-Schließmuskels, der normalerweise dafür sorgt, dass der Speisebrei nicht mehr zurückfließen kann. Dadurch kommt es zum Kontakt von Magensäure mit der Schleimhaut der Speiseröhre, was die Beschwerden der Erkrankung auslöst. Die Erschlaffung des Schließmuskels ist auf eine herabgesetzte Muskelspannung (Muskeltonus) zurückzuführen“, so Professor Dr. med. Christian Löser, Chefarzt der Medizinischen Klinik des Roten Kreuz Krankenhauses (RKH) Kassel. In seinem Zentrum für Viszeralmedizin behandelt das Rote Kreuz Krankenhaus in Kassel seit 2012 als spezialisiertes Krankenhaus in der Region Nordhessen unter anderem sämtliche durch Sodbrennen verursachte Erkrankungen.


Professor Dr. med. Christian Löser, Chefarzt der Medizinischen Klinik des Roten Kreuz Krankenhauses (RKH) Kassel

Einfluss von Nahrung und Übergewicht
Die Zusammensetzung der Nahrung hat einen Einfluss auf die Muskelspannung des Speiseröhren-Schließmuskels. Eine fettreiche Mahlzeit reduziert den Muskeltonus um 30 %, wahrscheinlich hervorgerufen durch eine vermehrte Freisetzung des Hormons Cholezystokinin. Kohlenhydrate wirken weitgehend neutral, während eiweißreiche 

Mahlzeiten den Druck um etwa 50 % erhöhen. Besonders kalte Speisen und Getränke verlangsamen den Rücktransport des bereits in die Speiseröhre übergetretenen Mageninhalts in den Magen, wodurch die Symptomatik verstärkt wird. „Aufgrund einer vermehrten Leibesfülle bei Übergewicht erhöht sich der Druck im Bauchraum, wodurch die Druckdifferenz zwischen Speiseröhre und Magen abnimmt. Dies begünstigt den Rückfluss von Speisebrei, besonders im Liegen. Viele unserer Refluxkranken sind übergewichtig“, so Prof. Löser. Auch Alkohol senkt zum einen die Muskelspannung des Schließmuskels, zum anderen finden sich Störungen in den Bewegungen der Speiseröhre.

Spezialisten am RKH Kassel

In den letzten 20 Jahren hat sich die Anzahl der Speiseröhrenkrebs-Erkrankten verdoppelt. Einige dieser Fälle lassen sich auf Folgewirkungen von Sodbrennen zurückführen.  Seit 2012 besteht unter der Leitung von Professor Dr. med. Christian Löser, Chefarzt der Medizinischen Klinik, und Professor Dr. med. Rudolf Hesterberg, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralmedizin, das erste Zentrum für Viszeralmedizin in Nordhessen. „Es ist wichtig, dass dieser Erkrankung mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Patienten müssen sensibilisiert und fachgerecht behandelt werden. Sodbrennen wird von den meisten Betroffenen einfach hingenommen. Oftmals steckt aber eine ernsthafte Krankheit dahinter. Unser Zentrum nimmt sich diesem Gesundheitsproblem an.“, so Prof. Löser.

Wann kann Sodbrennen gefährlich werden?

Sodbrennen selbst ist noch keine Krankheit, sondern vielmehr ein Symptom, das unterschiedliche Krankheiten nach sich ziehen kann. Es kann aber auch ein Symptom bereits bestehender Erkrankungen sein. Häufiges Sodbrennen und eine Nicht-Behandlung der Symptome können zu einer Entzündungsreaktion, Speiseröhrenverengung oder Geschwürbildung und zunehmend sogar zu Speiseröhrenkrebs führen. „Wer regelmäßig unter Sodbrennen leidet, der sollte unbedingt einen Facharzt aufsuchen. In diesem Fall ist nämlich zu erwarten, dass das Sodbrennen entweder bereits schlimmere Störungen hervorgerufen hat, oder die Ursache hierfür eine bestehende Krankheit ist, von der der Patient nichts weiß. Eine Selbsttherapie durch rezeptfreie Mittel ohne genaue Kenntnis der bestehenden Situation ist hier wenig sinnvoll und sogar gefährlich“, so Prof. Löser.

Sodbrennen – Was kann ich tun?
Wichtigste Untersuchung ist die endoskopische Spiegelung von Speiseröhre und Magen, die mit einer kurzwirksamen Beruhigungsspritze völlig symptom- und beschwerdefrei für den Patienten durchgeführt werden kann. Wenn der Arzt die individuell vorliegende Krankheitssituation des Patienten genau kennt, kann er für ihn ein auf seine Bedürfnisse individuell zugeschnittenes Therapiekonzept entwickeln. Für Refluxsymptome wie Sodbrennen gibt es heute exzellente und hochwirksame Therapiemöglichkeiten.  Auch der Patient kann in seinem Alltag dazu beitragen, seine Refluxsymptome deutlich zu lindern, indem er beispielsweise auf Nikotin verzichtet, Alkohol nur in Maßen konsumiert, sich um ein normales Körpergewicht bemüht und viele kleine (eher eiweißreiche) Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich nimmt sowie voluminöse Abendmahlzeiten meidet.

TIPPS FÜR ZUHAUSE
•    Kaffee und Alkohol nur in Maßen genießen
•    Rauchen unterlassen
•    Übergewicht vermeiden bzw. Gewicht reduzieren
•    Nicht zu salzig oder zu scharf essen
•    Süße, säure- und fettreiche Nahrungsmittel meiden
•    Viel Bewegung und körperliche Aktivität
•    Stresssituationen meiden und Entspannungsphasen einlegen
•    Meiden von voluminösen Spätmahlzeiten
•    Eher viele kleinere Mahlzeiten bevorzugen

•    Medikamentöse Begleittherapie überprüfen

Die Ursache für Sodbrennen liegt im Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre (Reflux). 
Dies geschieht, wenn der Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre nicht einwandfrei funktioniert oder wenn hoher Druck auf dem Magen liegt.

Professor Dr. med. Christian Löser, Chefarzt der Medizinischen Klinik des Roten Kreuz Krankenhauses (RKH) Kassel spricht aus Erfahrung: „Es ist nicht nur das Sodbrennen selbst, das eine Behandlung erfordert. Es sind vielmehr die Folgeerkrankungen, die das Sodbrennen so gefährlich machen.“



Herausgeber:
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