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Bessere Schmerzversorgung für Nordhessen

Am 02.11.2011, 11:08 Uhr

Bisher sah man in Nordhessen bei der Versorgung von Schmerzpatienten einen großen weißen Fleck. Mit Gründung des Regionalen Schmerzzentrums der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie (DGS) an der Klinik für Schmerztherapie des Roten Kreuz Krankenhauses in Kassel und der Ausweitung der Bettenkapazität der Klinik wird sich die Versorgungssituation in Nordhessen deutlich verbessern.


Freuen sich über die Gründung des Regionalen Schmerzzentrums und die zukünftig bessere Versorgung von Schmerzpatienten in Nordhessen (v.l.n.r.): Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Elisabeth Deterding, Dr. Andreas Böger und Josef Singer, Leiter der „Selbsthilfegruppe Chronische Schmerzen Kassel“.

(AHE) „Schätzungen zufolge sind 16 Millionen Bundesbürgern von chronischen Schmerzen betroffen“, sagt Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie, anlässlich der Gründungsveranstaltung des Regionalen Schmerzzentrums DGS Kassel am 2. November 2011 im Roten Kreuz Krankenhaus Kassel. Als chronisch werden Schmerzen dann bezeichnet, wenn sie länger als 3 Monate andauern und ein eigenes Krankheitsbild darstellen. 

Eine Herausforderung für die Therapeuten sind chronische Schmerzen besonders deswegen, weil sie nicht einer einzelnen Disziplin zugeordnet werden können. Betroffene suchen deswegen oftmals mehrere Ärzte auf, bevor sie die richtige Diagnose und eine geeignete Therapie erhalten. „Mit dem Konzept der Regionalen Schmerzzentren will die Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie die therapeutische Versorgung von Schmerzpatienten in Deutschland mit verbindlichen, einheitlichen und nachgewiesen wirksamen Standards verbessern“, sagt Dr. Müller-Schwefe. Neben der Schaffung dieses Versorgungsnetzes macht sich die Gesellschaft für eine ärztliche Zusatzausbildung „Spezielle Schmerztherapie“ und die Einführung und Weiterentwicklung von Behandlungsleitlinien stark. Seit Oktober führt das Rote Kreuz Krankenhaus die volle ärztliche Weiterbildungsermächtigung „Spezielle Schmerztherapie“.

Das Regionale Schmerzzentrum DGS Kassel

„Als spezialisiertes Zentrum sind wir in Zukunft Ansprechpartner nicht nur für Schmerzpatienten sondern auch für niedergelassene Ärzte. Zusammen mit diesen wollen wir einen Beitrag zur flächendeckenden Schmerzversorgung Nordhessens leisten“, sagt Dr. Andreas Böger, Chefarzt der Klinik für Schmerztherapie am Roten Kreuz Krankenhaus und Regionalleiter der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie. Denn bisher mussten Patienten die langen Wartezeiten bei niedergelassenen Schmerztherapeuten in Kauf nehmen oder zu den Schmerzzentren nach Niedersachsen oder Marburg fahren. „Einen so weiten Weg können viele Patienten, die an chronischen Schmerzen leiden, nicht auf sich nehmen“, sagt Dr. Böger. Seit Kurzem stehen deshalb mehr Betten zur Verfügung. „Zusätzlich haben wir ärztliches und therapeutisches Personal eingestellt“, sagt Dr. Böger. Neben Neurologen, Anästhesisten und speziellen ärztlichen Schmerztherapeuten arbeiten in der Klinik für Schmerztherapie auch Psychologen, Psychiater und Physiotherapeuten interdisziplinär zusammen. „Dadurch können wir ein breites therapeutisches Spektrum anbieten, das optimal aufeinander abgestimmt ist“, sagt der Experte. 

Die drei Säulen der multimodalen Therapie

Zur Anwendung kommt im Regionalen Schmerzzentrum die sogenannte „multimodale Therapie“, die von drei Säulen getragen wird: der ärztlichen Schmerztherapie, der psychologischen Schmerztherapie sowie der Physio- und Ergotherapie. „Zusätzlich bieten wir ergänzende Verfahren aus der kognitiven Verhaltenstherapie und auch achtsamkeitsbasierte Verfahren an“, sagt Chefarzt Dr. Böger. Neben der schulmedizinischen Behandlung setzen die Kasseler Experten auch sanfte ganzheitliche Verfahren ein, um den Alltag und das Erleben des Patienten schmerzfreier zu gestalten. Dr. Böger erläutert dazu: „Alle Methoden dienen dabei der Aktivierung, Steigerung der Selbsteffizienz und Beeinflussung des Schmerzgedächtnisses“. Um die interdisziplinäre Zusammenarbeit gewährleisten zu können, werden hausintern regelmäßig Schmerzkonferenzen durchgeführt. „Mit diesen Konferenzen können wir auch niedergelassene Schmerztherapeuten und Hausärzte eng in den Behandlungsplan einbinden, denn nur durch einen funktionierenden Informationsaustausch und eine Kooperation mit den behandelnden Ärzten außerhalb des Krankenhauses kann unsere Vernetzung und die Optimierung der Behandlung von Schmerzpatienten gelingen“, sagt Dr. Böger.

Vernetzung auch innerhalb des Roten Kreuz Krankenhauses

Die Vernetzungen der Klinik werden durch das Beispiel „Palliativstation“ noch deutlicher: „Im kommenden Jahr werden wir eine der größten Palliativstationen Hessens am RKH in Betrieb nehmen“, sagt Elisabeth Deterding, Geschäftsführerin des Roten Kreuz Krankenhauses. „Auch hier spielt die Schmerztherapie, z.B. die Behandlung des Tumorschmerzes, eine bedeutende Rolle“. Mit dem Abschluss der derzeit laufenden Baumaßnahmen am Roten Kreuz Krankenhaus soll diese Strategie der starken Vernetzung der einzelnen Kliniken des Krankenhauses vorangetrieben werden. „Die Gründung des Regionalen Schmerzzentrums DGS ist ein wichtiger Schritt in unserer Strategie des Spezialitätenausbaus und der Etablierung interdisziplinärer Zentren an unserem Haus“, sagt Elisabeth Deterding.