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Künstliche Hüftgelenke in der Diskussion

Am 28.06.2013, 14:55 Uhr

Kassel, Juni 2013 – Jedes Jahr werden in Deutschland rund 150.000 künstliche Hüftgelenke eingesetzt (1). Unter orthopädischen Chirurgen gilt dieser Eingriff mittlerweile als Routine. Doch im letzten Jahr sorgte eine im Fachblatt „Lancet“ veröffentlichte britische Studie für Unruhe. Das Ergebnis: Hüftprothesen, bei denen Metall auf Metall trifft, stellen ein gesundheitliches Risiko dar. Zum einen habe eine eingeschränkte Materialhaltbarkeit ein häufigeres Nachoperieren zur Folge. Zum anderen sollen durch den Metallabrieb freigesetzte Metall-Ionen Gesundheitsschäden verursachen. Obwohl sich diese Warnung nur auf wenige Prothesen-Modelle, insbesondere auf die sogenannten Hüftkappenprothesen, bezieht, waren und sind viele Menschen verunsichert. Wie sicher sind künstliche Hüftgelenke? Und wann ist ein solcher Eingriff notwendig?


Prof. Dr. Werner Konermann, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rehabilitative Medizin

Bei künstlichen Gelenken spricht man von der so genannten Endoprothese ‒ einem dauerhaften Ersatz eines geschädigten Gelenks durch ein künstliches Implantat. Häufigster Grund für den Einsatz einer Hüftendoprothese ist die Arthrose ‒ eine Verschleißerkrankung der Gelenke. Aber auch Unfälle oder andere Gelenkerkrankungen können diesen Eingriff erfordern. „Notwendig ist eine solche Operation, wenn konservative Behandlungsmethoden wie Medikamente oder Physiotherapie ausgeschöpft sind und die Lebensqualität der Betroffenen aufgrund zunehmender Unbeweglichkeit und Schmerzen leidet“, erklärt Prof. Werner Konermann, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rehabilitative Medizin am Roten Kreuz Krankenhaus Kassel. 

Gefahr aus dem künstlichen Hüftgelenk?

Nach Bekanntwerden der britischen Studie 2012 sind immer noch viele Menschen  verunsichert, inwieweit von künstlichen Hüftgelenken eine Gefahr ausgeht. Prof. Konermann gibt Entwarnung: „Die Studie bezieht sich lediglich auf einzelne Prothesenmodelle der Metall-auf-Metall-Variante. Im Roten Kreuz Krankenhaus Kassel verwenden wir in der Regel Hüftendoprothesen mit einem zementfreien Titanschaft und einem Keramikkopf in Verbindung mit einer modularen Pfanne, die aus einer äußeren Titanschale und einer inneren Polyethylenschale besteht“, erklärt der Experte. „Diese Hüftprothesen zeichnen sich durch sehr gute Langzeitergebnisse (über 15 Jahre) aus und sind hinsichtlich ihrer Haltbarkeit abgesichert“, so Prof. Konermann weiter. 

Schonende Operationsverfahren

Dank des medizinischen Fortschritts kann beim Großteil der Hüftgelenkserkrankungen eine minimal-invasive Operationstechnik angewandt werden. Gemeint ist damit eine gewebeschonende Form der Implantation. „Die Endoprothese wird durch eine natürliche Muskellücke unter Schonung des Gewebes und der umgebenden Muskeln und Sehnen eingesetzt“, erklärt Prof. Konermann. Daraus resultieren kleinere Schnitte, weniger Schmerzen, eine schnellere Rehabilitation und somit eine rasche Wiedereingliederung in den privaten und beruflichen Alltag. Der Experte nennt noch einen weiteren Grund für den schnellen Heilungsprozess: „Da alle Prothesenkomponenten in unterschiedlichen Größen vorliegen, können wir die Hüftendoprothese passgenau auf die Anatomie des Patienten ausrichten, wodurch eine sehr gute Verträglichkeit und Haltbarkeit der Endoprothese gewährleistet ist.“ 
Befürchtungen, nach dem Eingriff keinen Sport mehr ausüben zu können, sind unbegründet. Vor allem Sportarten wie Wandern, Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen und Skilanglauf eignen sich, um mit dem neuen Hüftgelenk fit durch den Alltag zu gehen.        


Quellen: 1. AQUA-Institut  für angewandte Qualitätsförderung  und Forschung im Gesundheitswesen GmbH 
(http://www.sqg.de/downloads/Bundesauswertungen/2011/bu_Gesamt_17N2-HUEFT-TEP_2011.pdf)