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Operation im XXL-Format

Am 17.06.2011, 11:19 Uhr

Übergewichtige Patienten benötigen häufig auch bei der medizinischen Versorgung ein XXL-Format: geeignete Transportliegen, Betten, Operationstische und Röntgengeräte müssen dem Gewicht und dem Körperumfang angemessen sein. Zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen sind in Deutschland übergewichtig. 5 Prozent der Männer und 7 Prozent der Frauen sogar stark fettleibig. Dass viele medizinische Einrichtungen mit der Versorgung von übergewichtigen Menschen überfordert sind, musste die Türkin Muezeyyen Yigit, die in Kassel lebt, am eigenen Leib erfahren. Denn sie fand kein Krankenhaus, dass ihr schmerzendes Hüftgelenk operieren wollte. Bis ihr in der orthopädischen Klinik am Roten Kreuz Krankenhaus in Kassel geholfen werden konnte.


Professor Werner Konermann zusammen mit seiner glücklichen Patienten Muezeyyen Yigit und Oberarzt Dr. Rauf Ahmadian (v.l.n.r.).

(AHE) „Andere Kliniken sahen sich mit der Operation von Frau Yigit überfordert. Zum Glück kam sie schließlich zu uns, denn die Operation war dringend notwendig“, sagt Professor Dr. Werner Konermann, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Roten Kreuz Krankenhauses Kassel. Er spricht dabei über seine 62jährige Patientin Muezeyyen Yigit, die aufgrund einer schweren Hüftgelenksarthrose im Kasseler Gelenkkompetenzzentrum, das von Professor Konermann geleitet wird, ein künstliches Hüftgelenk erhielt. 

„Die besondere Schwierigkeit lag im Körpergewicht der Patientin. Auf die ungefähr 140 Kilogramm schwere Patientin waren andere Kliniken offensichtlich nicht eingestellt und lehnten eine Operation ab“, erklärt Professor Konermann. Bei Patienten mit Übergewicht sind die Operationsbedingungen erschwert, da teilweise Spezialinstrumente notwendig sind. Außerdem sind die Risiken für einen Patienten mit Übergewicht erhöht: Operationswunden heilen schlechter, es gibt häufiger Thrombosen und Embolien. „Der Eingriff ist aber gut geglückt und Frau Yigit läuft schon wieder an zwei Gehstützen über die Krankenhausflure“, sagt Prof. Konermann, der die Patientin zusammen mit Oberarzt Dr. Rauf Ahmadian operierte. 

„Über Dr. Rahmadian kam die Patientin schließlich auch zu uns“, erklärt Prof. Konermann. Dr. Ahmadian erklärt dazu: „Einmal pro Woche führe ich eine türkischsprachige Sprechstunde in der Kasseler Praxis Meditürk bei Dr. Arif Ordu durch, um so auch Patienten weiterzuhelfen, die Probleme mit der deutschen Sprache haben.“ Dr. Ahmadian versteht und spricht türkisch sehr gut und kann so helfen, Verzögerungen bei wichtigen medizinischen Behandlungen, die bei Migranten häufiger aufgrund von Sprachbarrieren und daraus resultierenden Kontaktängsten entstehen können, zu vermeiden. 

Für die Patientin Muezeyyen Yigit folgt nun ein dreiwöchiger Reha-Aufenthalt, bei dem die Türkin erlernt, ihr Hüftgelenk wieder richtig belasten zu können.