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Was kommt nach der OP? - Die Vorteile des Schmerzkatheters

Am 27.08.2013, 09:24 Uhr

Kassel, August 2013 – Im Jahr 2011 wurden in Deutschland über 15 Millionen Operationen durchgeführt (1). Je nachdem wie umfangreich der Eingriff ist, machen sich viele Menschen nicht nur Gedanken über die Operation, sondern auch über mögliche Schmerzen, sobald die Narkose nachlässt. Doch dank moderner Verfahren können heute Schmerzen nach der Operation verhindert oder zumindest wirkungsvoll gedämpft werden. Mit einem Schmerzkatheter werden Medikamente so gezielt eingesetzt, dass der Patient eine effektive und gleichzeitig sehr gut verträgliche Schmerzversorgung erhält. Wie funktioniert ein Schmerzkatheter, wann kommt er zum Einsatz und welche Vorteile bietet er gegenüber der herkömmlichen Schmerzbehandlung?


Privat-Dozent (PD) Dr. med. Ulrich Fauth, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Notfallmedizin

„Wenn nach bestimmten Operationen mit Schmerzen zu rechnen ist, die durch Tabletten und Spritzen nicht ausreichend behandelt werden können, raten wir den Patienten zu einem Schmerzkatheter“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Ulrich Fauth, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Notfallmedizin am Roten Kreuz Krankenhaus Kassel. Dabei handelt es sich um einen etwa einen Millimeter dünnen, flexiblen Kunststoffschlauch, der bereits vor der Operation unter örtlicher Betäubung gelegt wird. „Hierüber können während und nach dem Eingriff entsprechende Medikamente kontinuierlich und gezielt verabreicht werden, so dass wir dem Patienten in den ersten Tagen nach der Operation eine maximal mögliche Schmerzfreiheit bieten“, so der Experte weiter. 

Anwendung des Schmerzkatheters 
An welcher Körperstelle der Schmerzkatheter zum Einsatz kommt, ist vom Operationsbereich abhängig. „Der Katheter wird kurz vor der OP über eine spezielle Kanüle in die Nähe des entsprechenden Zielnervs gelegt. Lediglich die Nerven, die den zu operierenden Bereich versorgen, werden dadurch betäubt“, erklärt Dr. Fauth. So wird der Zugang bei großen Operationen am Bauch in die Nähe des Rückenmarks gelegt, bei Eingriffen an der Schulter seitlich am Hals und bei Operationen am Knie in die Leistengegend. Abhängig vom Schmerzempfinden des Patienten und der Verträglichkeit der Schmerzmedikamente, kann die Menge und Zusammensetzung der Substanzen jederzeit angepasst werden.

Effektive Schmerzbehandlung 
Während es bei der Behandlung mit starken Schmerzmedikamenten in Form von Tabletten, Tropfen oder einer Infusion bei Patienten oft zu Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Übelkeit und Schwindel kommt, ist dies beim Einsatz des Schmerzkatheters nicht der Fall. Der Grund: „Durch die gezielte Schmerztherapie gelangen die Medikamente zu den Nerven, die die operierte Körperregion versorgen, und belasten dadurch nicht den gesamten Organismus“, erklärt Dr. Fauth. Der Schmerzkatheter bietet aber nicht nur im Hinblick auf den Patientenkomfort Vorteile, sondern beeinflusst auch maßgeblich den Heilungsprozess. „Da sich die Patienten schneller von dem Eingriff erholen, sind sie früher mobil als bei einer entsprechenden Schmerztherapie durch Tabletten oder eine Infusion. Nach größeren Eingriffen am Bauch kommt die Darmtätigkeit schneller wieder in Gang und das Komplikationsrisiko der Operation verringert sich“, sagt der Experte. Nach aufwändigeren Knie- oder Schulteroperationen kann früher mit der Physiotherapie begonnen werden, was wiederum die Regeneration und das Endergebnis positiv beeinflusst. Die stationäre Verweildauer von Patienten mit einem Schmerzkatheter verkürzt sich somit nachweislich. 
 
Vorteile des Schmerzkatheters auf einen Blick
•    Maximale und gezielte Schmerzreduzierung
•    Bessere Verträglichkeit: Keine Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Übelkeit,
      Schwindel
•    Schnellerer Heilungsprozess 
•    Geringes Komplikationsrisiko nach der Operation 

 

Quelle: 1. Bundesamt für Statistik, Wiesbaden