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Rotes Kreuz Krankenhaus eröffnet vorbildliche Palliativstation

Am 22.02.2012, 10:30 Uhr

Der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner würdigt den Beitrag des RKH zur palliativmedizinischen Versorgung in Hessen – Kasseler Palliativkonzept mit ambulant-stationärer Vernetzung ist vorbildlich in Hessen – Förderung durch Bundesmittel


Nach 13 Monaten Bauphase überreichte Architekt Mathias Kirschner (links) den beiden Geschäftsführern des Roten Kreuz Krankenhauses Kassel, Elisabeth Deterding und Michael Gribner, symbolisch den Schlüssel zur neuen Palliativstation des Krankenhauses.

„Die Humanität einer Gesellschaft zeigt sich darin, wie sie mit Menschen in der letzten Phase ihres Lebens umgeht“, sagt der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner beim Fest­akt zur Eröffnung der neuen Palliativstation des Roten Kreuz Krankenhauses Kassel (RKH) am 22. Februar 2012. Nach großen Baumaßnahmen am Kasseler Krankenhaus zog die Station nun in die neu eröffneten Räumlichkeiten. Hierfür wurde eine komplett neue Etage auf dem RKH geschaffen. Mit 15 Betten ist es eine der größten Palliativstationen im ganzen Bundesland. „Ich habe hohen Respekt vor der Leistung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den stationären und ambulanten Palliativeinrichtungen, die den Patientinnen und Patien­ten und ihren Angehörigen pflegerische, medizinische und psychosoziale Sicherheit in ihren schwierigen Lebenssituationen geben“, sagt Sozialminister Grüttner. 

Wenn die Medizin nicht mehr heilen, sondern ausschließlich lindern kann, besteht die Not­wendigkeit der palliativmedizinischen Versorgung. Die allgemeine Palliativversorgung wird durch den Hausarzt geleistet, bei schweren Fällen unterstützen „Palliative Care Teams“ mit speziell ausgebildeten Palliativärzten und -kräften 24 Stunden am Tag im Rahmen der spe­ziellen ambulanten Palliativ-Versorgung (SAPV). Damit wird die Betreuung in der vertrauten häuslichen Umgebung ermöglicht. Grüttner führt aus, dass Hessen das erste Bundesland gewesen sei, das die Finanzierung der speziellen ambulanten Palliativ-Versorgung im Rahmen der gesetzlichen Kranken­versicherung durch eine Vereinbarung mit den Kranken­kassen gesichert habe. „Wenn allerdings die ambulanten Mittel zur Symptomkontrolle nicht aus­reichen, muss der unmittelbare Zugang zur stationären Versorgung gewährleistet sein“, for­dert Sozialminister Grüttner. Hier ist ein Gesamtkonzept für die ambulante und stationäre Palliativversorgung hilfreich.

Für das große Engagement des Landes Hessen richtet Michael Gribner, Geschäftsführer des Roten Kreuz Krankenhauses, seinen besonderen Dank an Sozialminister Grüttner: „Nur durch Ihr klares ´Ja´ zu diesem Projekt ist es möglich geworden, diesen Meilenstein in der Versorgung schwerstkranker Menschen hier in Nordhessen zu realisieren.“ Im Wettbewerb war das Projekt des RKH unter annähernd 180 Anmeldungen von über 80 Krankenhäusern als eines von 34 Maßnahmen anerkannt worden. Die Gesamtkosten für den Neubau betrugen 3,7 Millionen Euro. „1,32 Millionen Euro Bundesmittel erhielten wir für den Neubau als Fördergelder im Rahmen der Maßnahmen zur Stärkung der Konjunktur des Bundes. Getreu dem Motto ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘ haben Sie uns durch Ihre Förderentscheidung angespornt, die restlichen Mittel, die zur Realisierung dieses großen Projekts nötig waren, für die Finanzierung selbst aufzubringen“, so Gribner.

„Wir haben jahrelang darauf hingearbeitet, die neue Palliativstation, das „Palliativzentrum Nordhessen“, zu eröffnen“, berichtet Professor Dr. med. Christian Löser, Chefarzt der Medizinischen Klinik des RKH. „Die Palliativmedizin ist integraler Bestandteil unseres gesamtheitlichen medizinischen Behandlungs- und Betreuungskonzepts, unserer ärztlichen gesamtmedizinischen Auffassung“. Laut Chefarzt Löser schlägt sich dieses Selbstverständ­nis und diese Kernüberzeugung ärztlichen Handelns nicht nur in der neuen Station nieder, sondern im gesamten Krankenhaus. „Deswegen arbeiten viele Professionen Hand in Hand, um Patienten nach ihren Bedürfnissen individuell betreuen zu können“. Die Oberärztin und Palliativ­medizinerin des RKH, Dr. med. Nina-Kristin Eulitz, ergänzt: „In unserem interdis­ziplinären Team arbeiten wir mit Pflegefachkräften, Ärzten, Psychologen, Sozialarbeitern, Physio­therapeuten, Seelsorgern und ehrenamtlichen Hospizmitarbeitern zusammen. Das gesamte Team trifft sich täglich zu einer multiprofessionellen Besprechung, um die Behand­lung optimal auf die Bedürfnisse unserer Patienten abzustimmen“. Der Neubau der Palliativ­station verbessert die Qualität der Versorgung, gerade im Hin­blick auf die speziellen Bedürf­nisse von Patienten mit fortgeschrittenen, unheilbaren Erkrank­ungen. Alle notwendigen medizinischen und technischen Erfordernisse sind vorhanden. Das medizinische Inventar ist optisch unauffällig in die Raumausstattung integriert. So strahlt die Palliativstation eine wohn­liche Atmosphäre aus, die nicht von der Medizin-Technik dominiert wird. „Für unsere Patienten stehen Einzelzimmer mit der Möglichkeit zum rooming-in für Angehörige bereit“, erklärt Dr. Eulitz. „Lebensqualität trotz schwerster Erkrankung soll auf dieser Station für Patienten und ihre Angehörigen erfahrbar werden - mit der Kontrolle von belastenden Krankheitssymptomen, im Kontakt mit anderen Menschen im Raum der Begegnung oder auch in der Möglichkeit zu Rückzug und Begleitung im Raum der Stille“ beschreibt Dr. Eulitz das Konzept.

Auch Bertram Hilgen, Oberbürgermeister der Stadt Kassel, zeigt sich begeistert von den neu geschaffenen Räumen und sieht die neue Palliativstation des RKH als Gewinn für die ganze Region: „Mit dem Neubau der Station, der Ausweitung der Kapazitäten und den umfang­reichen Bau- und Renovierungsmaßnahmen leistet das RKH einen wichtigen Beitrag, die Bedeutung der Stadt Kassel als Gesundheits- und Medizinstandort zu stärken. Damit kann sich unsere Stadt und die Region Nordhessen noch besser im gesundheitswirtschaftlichen Wettbewerb der Regionen positionieren“. Geschäftsführer Michael Gribner dankt Ober­bürgermeister Hilgen: „Nur durch Ihre Zustimmung zum Darlehensvertrag über 440.000 Euro, die wir als Ko-Finanzierungsdarlehen erhielten, konnten wir das Projekt umsetzen.“

Zur Historie der palliativmedizinischen Versorgung am RKH erläutert die Geschäftsführerin des Krankenhauses, Elisabeth Deterding: „Seit 1990 beschäftigen wir uns am RKH system­atisch mit dem Thema Palliativmedizin und Palliativpflege. Mit dem Neubau der Palliativ­station in einer eigenen Etage akzentuieren wir die Kompetenzen, die wir hier am Roten Kreuz Krankenhaus in diesem Bereich aufgebaut haben und vorhalten“, so Deterding. Sie macht deutlich, dass die enge organisatorische und personelle Vernetzung der ambulanten und stationären Palliativversorgung Vorbildcharakter für andere palliative Versorgungsnetze im Land habe. „Mit der Palliativstation und der speziellen ambulanten Palliativ-Versorgung tragen wir am Roten Kreuz Krankenhaus der wachsenden Bedeutung und Nachfrage nach diesem Versorgungsschwerpunkt Rechnung.“ Mit der Ansiedlung der Palliativ-Akademie sei außerdem die Verknüpfung von Theorie und Praxis gegeben.

Zum Abschluss des Festaktes dankt Architekt Mathias Kirschner vom Architektenbüro Kirschner + Partner allen Behörden und Einrichtungen, die den zügigen Ablauf der Baumaß­nahmen unterstützen: „Wir standen sehr unter Zeitdruck, da das Projekt bis zum 31. Dezember 2011 fertig gestellt sein musste, um die Fördergelder aus dem Sonderkonjunktur­programm zu erhalten“, so der Architekt. „Umso mehr freue ich mich, dass wir alle statischen Herausforderungen – immerhin galt es, ein komplettes Stockwerk neu zu schaffen – so unkompliziert und schnell meistern konnten“. Mit der Übergabe des Schlüssels an Geschäftsführerin Elisabeth Deterding kann die neue Palliativstation des Roten Kreuz Krankenhauses nun offiziell in Betrieb genommen werden.