Home

Infektionsrisiko schon vor Klinikaufenthalt minimieren

Am 19.08.2015, 14:31 Uhr

Rotes Kreuz Krankenhaus (RKH) Kassel setzt bei Krankenhauskeimen auf ambulante Prävention


Professor Dr. Werner Konermann und das Hygieneteam des Roten Kreuz Krankenhauses Kassel (v.l.): Tobias Brüggemann und Annett Pfeiffer

Kassel, 19. August: Unter der Leitung von Chefarzt Professor Dr. Werner Konermann bietet die Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rehabilitative Medizin des Roten Kreuz Krankenhauses (RKH) Kassel künftig eine kostenlose prophylaktische Maßnahme an, um vor gefährlichen Krankenhauskeimen zu schützen. Patienten, die zum Beispiel ein künstliches Gelenk benötigen, können so das Risiko einer Wundinfektion um ein Vielfaches senken, auch komplizierte und langwierige Nachbehandlungen werden damit gezielt vermieden.

„Keime kommen natürlicherweise auf der Haut und im Nasen-Mund-Rachen-Raum vor und sind bei Gesunden völlig ungefährlich“, betont Professor Dr. Werner Konermann, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rehabilitative Medizin des Roten Kreuz Krankenhauses (RKH) Kassel. Bei immungeschwächten Patienten können sie jedoch schwere Komplikationen hervorrufen. Im schlimmsten Fall muss eine Prothese wieder entnommen werden, auch langwierige Nachbehandlungen sind oft die Folge. Zu den bekanntesten aber auch gefährlichsten Keimen gehört der sogenannte MRSA (Multi- oder Methicillin-Resistenter Staphylokokkus Aureus), aber auch weniger bekannte Keime können schwerwiegende Folgen für den Patienten haben. Überträger sind die Patienten selbst, manchmal aber auch Bettnachbarn. Deswegen setzt die Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rehabilitative Medizin, die auch seit 2014 als Endoprothetik-Zentrum zertifiziert ist, auf die gezielte ambulante Prävention. Gemeinsam mit Krankenhaushygieniker Tobias Brüggemann, Oberarzt an der Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin, und Hygienefachkraft Annett Pfeiffer hat Konermann ein besonderes Hygieneprojekt ins Leben gerufen. „Wir möchten das Infektionsrisiko für Patienten bereits vor dem Krankenhausaufenthalt so gering wie möglich halten“, erläutert Konermann seinen Ansatz.

Kostenlose prophylaktische Sanierung für zu Hause

Alle künftigen Patienten der Klinik erhalten vor geplanten Eingriffen, wie beispielsweise einem künstlichen Gelenk, eine kostenlose prophylaktische Sanierung, die sie zu Hause selbstständig vornehmen können. „Damit gehen wir nicht nur gegen MRSA, sondern auch weitere multiresistente Keime vor“, so Konermann. Wie die einzelnen Maßnahmen von den künftigen Patienten genau ausgeführt werden müssen, erklärt das Hygieneteam des RKH vorab ausführlich in einer speziellen Einweisung. Für die Sanierung selbst müssen die künftigen Patienten innerhalb von fünf bis sieben Tagen dreimal täglich eine antiseptische Nasensalbe anwenden. Zudem ist es erforderlich, zwei- bis dreimal täglich eine ebenfalls antiseptische Lösung zur Mund- und Rachenspülung zu verwenden und sich täglich mit antiseptischer Seife zu waschen. Darüber hinaus ist ein täglicher Wechsel von Textilien und Gegenständen notwendig, die mit der Haut oder Schleimhaut in Berührung kommen – also etwa Bettwäsche, Handtücher, Waschlappen, Zahnbürsten sowie Kämme und Bürsten. „Auf den ersten Blick ist der Aufwand schon etwas größer“, so Konermann. „Doch verglichen mit den Risiken einer Infektion ist es die Sache wert.“

Kasseler Gesundheitsamt begrüßt neues Hygieneprojekt

Bereits jetzt besitzt das Thema „Hygiene“ einen hohen Stellenwert am RKH: So ist das Rote Kreuz Krankenhaus Mitglied des MRE-Netzwerkes Kassel, das es sich zum Ziel gesetzt hat, die Ausbreitung multiresistenter Erreger zu verhindern. Außerdem werden Patienten vor geplanten Eingriffen auf MRSA-Keime getestet. Stellt sich ein potenzieller Patient als MRSA-Träger heraus, wird er ebenfalls vorab ambulant saniert. Ferner führt das Krankenhaus regelmäßige Hygieneschulungen bei seinen Mitarbeitern durch und informiert am jährlich stattfindenden „Aktionstag saubere Hände“ Patienten und Mitarbeiter durch interaktive Maßnahmen über korrekte Händehygiene. Im Rahmen dieser Kampagne werden auch alle zwei Jahre Zertifikate für besonderes Hygiene-Engagement, u.a. von Krankenhäusern, vergeben: das RKH besitzt hier als einziges Kasseler Krankenhaus ein Zertifikat in Silber. Mit der prophylaktischen Sanierung von Keimen baut das Krankenhaus seine Aktivitäten zur Patientensicherheit und Prävention weiter aus. Auch Dr. Karin Müller, Leiterin des Kasseler Gesundheitsamtes, freut sich über das neue Hygieneprojekt des RKH: „Gerade bei aufwändigen Eingriffen stellen Keime immer noch ein Risiko für Patienten dar“, so Müller. „Deshalb begrüßen wir diese Maßnahme des Roten Kreuz Krankenhauses sehr.“