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Wer zahlt nach einem Unfall oder einer Verletzung?

Am 21.12.2012, 14:40 Uhr

Das entscheidet oft das medizinische Gutachten! Die Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rehabilitative Medizin des Roten Kreuz Krankenhauses Kassel (RKH) veranstaltet zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie einen Kurs zur Unfallbegutachtung.


Prof. Dr. med. Werner Konermann

Ein Verkehrsunfall, blinkende Blaulichter des Rettungswagens, ein Rentner muss von den Rettungskräften aus seinem Auto befreit werden: ein anders Auto prallte in die Seite seines Wagens. Was auf der Straße durch die Schmerzen bereits angekündigt wurde, wird im Krankenhaus bestätigt: Der Brustkorb des 69jährigen Mannes ist geprellt, 3 Rippen gebrochen. Doch der Autofahrer hatte Glück. Bereits nach einem knappen Monat ist er wieder fast beschwerdefrei. Wären da nicht die neu aufgetretenen Schmerzen in seinem linken Schultergelenk. Wieder in der Klinik, wartet eine schlechte Nachricht auf den Rentner: Sein Schultergelenk muss operiert werden, die bildgebende Diagnostik offenbarte eine Schädigung der Rotatorenmanschette, der Muskel-Sehnen-Kappe der Schulter. „Ob eine solche Schädigung durch den Unfall herbeigeführt wurde, ist selten auf den ersten Blick zu sehen“, sagt Professor Dr. med. Werner Konermann, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rehabilitative Medizin des Roten Kreuz Krankenhauses Kassel. „Deswegen müssen Gutachten angefertigt werden, es muss geklärt werden, wer für die Schädigung verantwortlich ist“. Nur so kann festgestellt werden, ob und welche Versicherung für den die entstehenden Behandlungskosten oder sogar Schmerzensgeld aufkommen muss. „In manchen Fällen, in denen der Unfall offensichtlich und unbestritten Ursache des Schadens ist, geht es manchmal auch nur um die Schadensbemessung. In der privaten Unfallversicherung beurteilen wir dann zum Beispiel mit Hilfe der sogenannten Gliedertaxe den Invaliditätsgrad“, erklärt Dr. med. Frank Schröter vom Institut für Medizinische Begutachtung in Kassel. Bei dem 69jährigen Unfallopfer konnte durch das orthopädisch-traumatologische Gutachten nicht festgestellt werden, ob der Unfall seine Schulterschmerzen hervorrief. Auch eine Untersuchung mit dem Kernspintomographen konnte keine frische Verletzung zeigen. „Viel wahrscheinlicher war in diesem Fall, dass es sich um typische Verschleißerscheinungen handelte. Auch das Bild, das sich während der Operation zeigte, sprach für eine sich über Jahre hinweg entwickelnde Verschleißerscheinung“, so Dr. Schröter. Da diese Gutachten sehr komplex sind und viel Erfahrung benötigen, müssen Ärzte, die gutachtlich tätig sein möchten, ihre Fähigkeiten nun nachweisen. „Seit 2 Jahren ist das für die D-ärztliche Zulassung erforderlich. Ärzte, die bereits als D-Arzt zugelassen sind, müssen diesen Nachweis bis Ende 2015 erbringen“, so Prof. Konermann. So wird sichergestellt, dass Gutachten auf höchstem Niveau angefertigt werden und Patienten im Zweifelsfall zu ihrem Recht kommen. Einen zertifizierten Kurs zur Unfallbegutachtung veranstaltet das Rote Kreuz Krankenhaus Kassel für Ärzte am 18. und 19. Januar 2013 zusammen mit der Kommission „Gutachten“ der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie. Interessierte Ärzte können sich unter Tel.: 0561 30 86 54 01 informieren und anmelden.