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Erste türkischsprachige Diabetesschulung am RKH

Am 01.10.2012, 09:03 Uhr

Erweiterung des Schulungsangebots setzt neue Maßstäbe


Am Roten Kreuz Krankenhaus Kassel fand die erste türkischsprachige Diabetesschulung statt.

Etwa 6 Millionen Menschen leiden in Deutschland an einem Typ-2 Diabetes – Tendenz steigend. Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer, denn viele Patienten sind an Diabetes erkrankt, ohne es zu wissen. „Diabetes tut nicht weh. Wenn nicht durch Bluttests gezielt danach gesucht wird, kommen Patienten oft zu spät – wenn Folgeerkrankungen bereits aufgetreten sind, die Probleme bereiten“ erklärt Oberärztin Dr. Regine Wellhöner, die die Diabetesabteilung am Roten Kreuz Krankenhaus leitet. 

Die Behandlung von Menschen mit Diabetes hat am Roten Kreuz Krankenhaus eine lange Tradition. Noch bevor Warnungen vor der neuen „Diabetesepidemie“ die Schlagzeilen füllten, wurde eigens für die Schulung und Behandlung von Patienten mit Diabetes eine Station eingerichtet. Ein Team aus Ärzten und Diabetesberaterinnen hilft den Betroffenen, den „richtigen Umgang“ mit ihrer Krankheit zu erlernen – Voraussetzung für ein möglichst normales Leben trotz und mit dieser Erkrankung.

„In den vergangenen Jahren besuchten mehr und mehr auch Patienten mit Migrationshintergrund unsere Diabetes-Schulungen. Dabei stellte die Sprachbarriere bei vielen Patienten ein großes Problem dar. Hinzu kommen kulturelle Besonderheiten und andere Ernährungsgewohnheiten, auf die wir in den bisherigen Kursen nur unzureichend eingehen konnten“ so Frau Dr. Wellhöner. Schätzungen zufolge leben heute ca. 600.000 Diabetespatienten mit Migrationshintergrund in Deutschland. Die meisten davon sind türkischstämmig. „Türkische Lebensgewohnheiten passen nicht zu Diabetes. Denn zu diesen Lebensgewohnheiten gehört fettes und sehr kohlenhydratreiches Essen – was wiederum das Risiko für Typ-2 Diabetes erhöht und die Blutzuckereinstellung verschlechtert“, so Ayla Gediz von der Türkisch Deutschen Gesundheitsstiftung und Diabetesassistentin DDG. Sie wird die erste türkischsprachige Schulung am RKH begleiten und das Diabetes-Schulungsteam aktiv unterstützen. „Warum können zu viel Börek und Baklava krank machen?“, „Was muss ich im Ramadan oder beim Zuckerfest beachten?“, „Wie verhalte ich mich, wenn ich bei Freunden oder Verwandten eingeladen bin?“ Für Diabetes-Patienten sind diese Fragen besonders wichtig, denn die Türkei ist noch heute ein Land, in dem Gastfreundschaft groß geschrieben wird und es gilt als unhöflich, nicht alles zu essen. Weil Essen so wichtig ist, wird die Diabetes-Schulung auch vom Küchenteam besonders unterstützt, denn für die Schulungspatienten werden türkische Gerichte zur Auswahl angeboten.

Auf jeden Patienten individuell einzugehen und ein Schulungsangebot anzubieten, das persönliche Gewohnheiten und besondere Lebensumstände berücksichtigt – ein hohes Ziel, das sich das Diabetes-Team am RKH gesteckt hat. „Nachdem wir unsere Schulungen in den letzten Jahren immer weiter an die Bedürfnisse unserer Patienten angepasst und erweitert haben, freuen wir uns sehr darüber, endlich unseren türkischstämmigen Mitbürgern dieses neue Konzept anbieten zu können“, fasst Frau Dr. Wellhöner schließlich zusammen.