Gelenkersatz

Mittlerweile gibt es für viele Gelenke im menschlichen Körper künstlichen Ersatz: Hier sieht man verschiedene Wirbelsäulenimplantate und ein künstliches Schultergelenk

Bei Endoprothesen (von griech.: endo "innen") handelt es sich um Implantate, welche dauerhaft im Körper verbleiben und den geschädigten Körperteil ganz oder teilweise ersetzen.

Am bekanntesten sind wohl die künstlichen Hüftgelenke. Heute stehen auch Endoprothesen für weitere Gelenke zur Verfügung (Kniegelenk, Schultergelenk, seltener auch eine Sprunggelenks-Endoprothese, sowie Ellenbogengelenks- und Fingergelenksprothesen). Häufig sind arthrotische Gelenkveränderungen eine Grund für die Verwendung einer Endoprothese. Die Arthrose ist eine Verschleißerkrankung und zählt zu den großen Volkskrankheiten. Wenn der Knorpel so schwer geschädigt ist, dass keine anderen Behandlungen mehr helfen, ist ein Gelenkersatz nötig. Der geschädigte Gelenkknorpel und ein Teil des angrenzenden Knochens werden entfernt und ein Ersatz aus Metall und Kunststoff oder Keramik wird in das Gelenk eingebracht. Dieser Ersatz muss fest im Knochen verankert werden, um die nötige Stabilität zu erreichen. Die Verankerung kann zementiert und nicht zementiert erfolgen. Um eine nicht zementierte Verankerung vornehmen zu können, muss der Knochen an die Prothese einwachsen können. Das heisst, der Knochen muss noch so vital und fest sein, dass er in relativ kurzer Zeit wächst. Dagegen stellt eine zementierte Verbindung eine sofort stabile Verankerung mit dem Knochen dar. Bei beiden Verankerungstypen ist sofort eine Teilbelastung an zwei Unterarmgehstützen möglich.

Der Ersatz geschädigter Gelenke gehört zu den größten orthopädischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts. Dank des ständigen technologischen Fortschritts und der Einbringung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse entwickelte die Endoprothetik sich zu einem nahezu perfekten Verfahren. In Deutschland werden jedes Jahr fast 300.000 künstliche Gelenke eingesetzt, so dass von einem Routineeingriff gesprochen werden kann.

Im Roten Kreuz Krankenhaus werden sowohl in der Hüft-Endoprothetik als auch in der Knie-, Schulter-, Ellenbogen- und Sprunggelenkendoprothetik Implantate verwendet, deren Haltbarkeit durch jahrzehntelange Testergebnisse abgesichert ist. In den vergangenen Jahren kamen gewebeschonende Verfahren hinzu: So genannte minimal-invasive Operationstechniken erleichtern deutlich die Mobilisation der Patienten.

Je nach Befund werden an den einzelnen Gelenken unterschiedliche Implantate eingesetzt:

Hüftgelenkprothesen (138.000 Operationen jährlich in Deutschland)

  • modulare Pfannenprothese
  • Schaftprothese für minimal-invasive Implantation
  • Kurzschaftprothese
  • Keramik-Keramik-Gleitpaarung

Kniegelenkprothesen (110.000 Operationen jährlich in Deutschland)

  • unikondyläre Schlittenprothese
  • bikondyläre Kniegelenkprothese (Oberflächenersatzprothese)
  • Teilgekoppelte Kniegelenkprothese
  • Scharnierendoprothese

Schultergelenkprothesen

  • Schulterkappenprothese
  • Hemiprothese
  • Totalendoprothese
  • inverse Prothese

Sprunggelenkprothese

Bei erheblichen Schädigungen des oberen Sprunggelenks kommt eine Sprunggelenkprothese zur Anwendung. Bei Schädigungen des unteren Sprunggelenks kann nur eine Versteifung durchgeführt werden. Sie bedeutet aber keinen Verlust der Gehfähigkeit. Durch Wegfall der Schmerzen kann die Bewegungsfähigkeit der Nachbargelenke insgesamt erhöht sein, auch wenn das einzelne Gelenk versteift ist.

Indikation

Die prinzipielle Indikation zur Prothesenimplantation ist der Schmerz und die Zerstörung der Gelenkanteile, wobei vor allem die Schmerzen der Patienten bestimmend sind.
Welche Form und Verankerung der Prothese für den einzelnen Patienten in Frage kommt, wird mit dem Patienten zusammen am Röntgenbild entschieden. Diese Entscheidung wird vor und während der Operation mehrfach überprüft und gegebenenfalls (falls die Knochenqualität anders ist, als erwartet) noch in der Operation geändert. Somit hat der Patient immer die Gewissheit der für ihn optimalen Prothese.

Nach einer Operation

Um eine Prothese optimal zu pflegen, sollen Patienten vorgesehene Nachuntersuchungen wahrnehmen. Ein sog. Prothesenpass erinnert an die jeweiligen Termine. Außerdem sollte er auch die Klinik aufsuchen, sobald er etwas Ungewöhnliches bemerkt.
Personen, die ein künstliches Gelenk erhalten haben, sollten auch zu Hause die durch den Physiotherapeuten erlernten Übungen weiterhin durchführen. Ziel ist die volle Streckung und eine gute Beugung des ersetzten Gelenks. Eine Überbeanspruchung des Gelenks sollte aber vermieden werden. Geeigneter Sport wird auch für Personen mit künstlichen Gelenken empfohlen.